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Cal Riley war in Kansas City geboren und aufgewachsen. Er hatte eine Kindheit, um die ihn viele wahrscheinlich beneidet hätten. Sein Zuhause war liebevoll, warm und voller Menschen gewesen, die ihm das Gefühl gegeben hatten, genau so richtig zu sein, wie er war. Vielleicht war es gerade diese unbeschwerte Kindheit, die dafür gesorgt hatte, dass Cal schon früh gelernt hatte, sich auf seine eigene Art durchs Leben zu bewegen. Ein besonders wichtiger Mensch in seinem Leben war dabei schon immer sein zwei Jahre älterer Bruder Bryce gewesen. Die beiden waren nicht nur Brüder, sondern gleichzeitig beste Freunde, Vertraute und in vielerlei Hinsicht ein eingespieltes Team. Zwischen ihnen hatte sich über die Jahre ein außergewöhnlich enges Verhältnis entwickelt. Sie konnten sich gegenseitig aufziehen, über die verrücktesten Dinge lachen und genauso gut stundenlang über die wirklich wichtigen Dinge des Lebens sprechen. Egal, wie unterschiedlich ihre Leben inzwischen geworden waren, an ihrer Verbindung hatte sich nichts geändert. Für beide stand die Familie an erster Stelle. Ihre Eltern hatten ihnen früh vermittelt, wie wichtig Zusammenhalt war und genau diese Einstellung hatten die Brüder übernommen. Vielleicht war es deshalb auch der erste wirklich große Einschnitt in ihrem Leben gewesen, als ihr Großvater vor einigen Jahren starb. Der Verlust hatte beide tief getroffen. Ihr Großvater war ein wichtiger Teil ihrer Kindheit gewesen, jemand, der ihre Familie zusammengehalten und ihnen viele Erinnerungen geschenkt hatte, die sie bis heute miteinander verbanden. Sein Tod hatte ihnen einmal mehr vor Augen geführt, wie schnell sich Dinge verändern konnten und wie kostbar die gemeinsame Zeit mit den Menschen war, die man liebte. Bryce lebte, genau wie Cal, noch immer in Kansas City. Die Heimat zu verlassen, war für keinen der beiden jemals wirklich eine Option gewesen, auch wenn Bryce durch seine Modelkarriere ständig unterwegs war und für Shootings, Modenschauen und Kampagnen regelmäßig quer durch die USA und manchmal auch ins Ausland reisen musste, kehrte er immer wieder nach Kansas City zurück und wann immer er zu Hause war, ließ es sich kaum vermeiden, dass die beiden Brüder Zeit miteinander verbrachten. Sie sahen sich regelmäßig, manchmal geplant und manchmal vollkommen spontan. Ein gemeinsames Abendessen, ein Bier nach der Arbeit oder einfach ein Abend auf der Couch, denn für Cal waren diese Momente etwas Besonderes. Denn egal, wie glamourös Bryces Leben als Model auch sein mochte, sobald er wieder in Kansas City war, war er nicht der angesagte Typ aus irgendwelchen Kampagnen, sondern einfach sein großer Bruder und genau das war es, was Cal an ihm schätzte. Die häufigen Reisen hatten ihrer Beziehung nie geschadet. Im Gegenteil, denn sie sorgten eher dafür, dass beide die gemeinsame Zeit bewusster genossen. Cal wusste, dass Bryce jederzeit seine Koffer packen und für mehrere Tage oder sogar Wochen verschwinden konnte, deshalb versuchten sie, die Zeit miteinander zu nutzen, wann immer es möglich war. Und wenn Bryce unterwegs war, standen sie trotzdem regelmäßig miteinander in Kontakt. Ein kurzer Anruf, eine Nachricht oder ein spontanes FaceTime-Gespräch gehörten für die beiden einfach dazu.
Mit seinen siebenundzwanzig Jahren hatte Cal bereits einiges erreicht. Nach der Highschool hatte er ein Architekturstudium begonnen, hatte sich durch lange Nächte über Entwürfen, Prüfungen und Abgabeterminen gekämpft und schließlich seinen Abschluss gemacht. Nun hielt er etwas in den Händen, auf das er lange hingearbeitet hatte, seine offizielle Zulassung als Architekt. Heute arbeitete er im Familienunternehmen Straub Construction Company, Inc. Cal liebte seinen Beruf, Gebäude zu entwerfen, aus einer leeren Fläche etwas entstehen zu lassen und dabei seine eigenen Vorstellungen Wirklichkeit werden zu lassen, denn genau das war sein Ding. Er war ehrgeizig, kreativ und verdammt gut in dem, was er tat. Zudem wusste er, dass er gut aussah, sehr gut sogar. Cal war einer dieser Männer, die einen Raum betraten und automatisch die Aufmerksamkeit auf sich zogen. Dunkelblondes Haar, ein selbstsicheres Lächeln und dieser Blick, der Frauen innerhalb weniger Sekunden vergessen ließ, dass sie sich eigentlich vorgenommen hatten, einem Typen wie ihm nicht auf den Leim zu gehen. Besonders bei den Frauen war Cal beliebt und er genoss es. Er flirtete, machte Komplimente, schenkte ihnen gerade genug Aufmerksamkeit, um ihr Interesse zu wecken und verschwand meistens wieder, bevor es kompliziert werden konnte. Gefühle? Damit konnte er wenig anfangen. Liebe? Davon hielt er noch weniger. Cal glaubte nicht daran, dass es diesen einen Menschen gab, der plötzlich alles verändern konnte. Er hatte noch nie in seinem Leben wirklich geliebt. Noch nie hatte sein Herz wegen einer Frau schneller geschlagen und noch nie hatte er das Bedürfnis verspürt, sich für jemanden festzulegen. Warum auch? Sein Leben funktionierte schließlich hervorragend so, wie es war. Er hatte seinen Beruf, seine Freunde, seine Freiheit und ein Image, das ihm mehr als einmal zugutegekommen war. Cal Riley, der charmante Badboy mit dem perfekten Lächeln. Er wusste genau, wie er auf Menschen wirkte und er wusste noch besser, wie er diese Wirkung für sich nutzen konnte. Er hatte gelernt, nichts zu versprechen, was er nicht halten wollte und vor allem hatte er gelernt, niemanden zu nah an sich heranzulassen. Bryce war dabei die große Ausnahme. Seiner Familie gegenüber war Cal loyal, beschützend und vollkommen anders als der Mann, den die meisten Frauen in ihm sahen. Für die Menschen, die er liebte, würde er ohne zu zögern alles geben. Das ausgerechnet eine Frau irgendwann dafür sorgen könnte, dass seine sorgfältig aufgebaute Fassade Risse bekam, ahnte er nicht, noch nicht. Denn während Cal davon überzeugt war, dass Liebe nur etwas war, das anderen Menschen passierte, war das Leben längst dabei, ihm das Gegenteil zu beweisen.
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