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Ich mag meine älteren Geschwister, meine Eltern für mich allein zu haben war kaum möglich. Zu unseren drei Hunden hatte ich keine besondere Beziehung, sie waren schon da, als ich geboren wurde. Neben ihrer eigentlichen Aufgabe auf die Hühner und Schafe aufzupassen, achteten sie auf uns Kinder und liefen mit uns raus, wohl, um uns in der Umgebung des Elternhauses zu beschützen.
Nolans Begeisterung für Insekten und Krabbelvieh konnte ich nicht viel abgewinnen, ich erklärte mich bereit ihn von der BIbliothek abzuholen sowie das eine und andere Besuch über Insekten von meinem Taschengeld zu bezahlen. Die Scheune anzumalen war eine Ersatzbeschäftigung für eine seit langem geplante geplatzte Urlaubsreise zu fünft, weil unsere Eltern doch arbeiten mussten. Die verletzte Krähe aufzupäppeln überliess ich Nolan, das geflügelte Tier war schlichtweg unheimlich. Ich weigerte mich in der dunklen Jahreszeit, sprich im Herbst und Winter das Elternhaus ohne Begleitung zu verlassen, wenn die Krähen in der Nähe des Hauses saßen. Als stille und unauffällige Schülerin beendete ich mit guten Leistungen die Highschool.
Insgeheim der Angst vor schwarzen Krähen aus dem Weg gehend und aufgrund der Entfernung zur Stadt sowie dem Traum am College zu wohnen, fragte ich mit elterlicher Erlaubnis beim College nach der Möglichkeit ein Zimmer im Wohnheim zu bekommen. Es wurde genehmigt, erstmals konnte ich eine Tür hinter mir zuziehen, ohne in der nächsten Minute gestört zu werden. Die Ruhe und Stille meines Wohnheimzimmers wertschätzend, ermöglichte Lernen und Wiederholen in Ruhe. Hin und wieder erbot ich mich dem einen und anderen Mitschüler meiner Klasse und niedrigeren Klassen Nachhilfe zu geben. Der Schwerpunkt der praxisorientierten Ausbildung zur Mediengestalterin lag auf Grafikdesign, Webentwicklung, Animation und digitalen Medien, einem breiten und vielfältigen Bereich. Diesen ersten selbstständig gemeisterten Schritt ins Berufsleben schloß ich erfolgreich mit Diplom ab.
Da der Arbeitsmarkt für Mediengestalter in Kansas City überfüllt ist, absolvierte ich hier und da Praktika und entschied mich für ein einjähriges Post-Graduate-Studium mit Spezialisierung auf interaktives Medienmanagement. Durch Vitamin B erfuhr ich von einer kleinen Firma, die auf ihrer Webseite um neue Mitarbeiter warb, mit der Möglichkeit zu Homeoffice. Nachdem ich mein zweites Studium erfolgreich abgeschlossen hatte, bewarb ich mich initiativ, dies wurde honoriert, man schätzt mein freundliches Auftreten und fachliches Know-How. In Meetings nehme ich häufig eine beobachtende Rolle ein. Wenn ich zu Wort komme, sind meine Beiträge wohlüberlegt und fundiert. Die Studiengebühren und die Miete für die erste eigene Wohnung lasten wie ein kaum zu stemmendes Gewicht auf meinen Schultern. Ich bin mir vollauf bewusst, dass ich noch einige Jahre arbeiten muss, um finanziell unbeschwert zu sein.
Nach einem langen Arbeitstag entspannte ich im Park und hörte melodische Musik. Ich folgte den Klängen und stieß auf ein gemischtes Amateur- und Profiorchester, welches ein öffentliches Konzert veranstaltete. Fasziniert lauschte ich ihrer musikalischen Darbietung und fand nach dem Konzert den Mut die Musiker anzusprechen. Offen für Kreativität, neue Kontakte und Inspiration probierte ich die Instrumente des Orchesters aus und entschied mich für Waldhorn. Der Gemeinschaftsgedanke steht im Mittelpunkt des Orchesters. Als Laien-Musikerin freue ich mich über jedes bekannte Gesicht, das als Gast zum Konzert kommt und zuzuhören wünscht. Die Möglichkeit Musik zu machen ist ein großes Privileg, das oft mit dem Verzicht auf viel privater Zeit wegen zahlreicher Proben verbunden ist. Kreativität auszuleben und öffentlich aufzutreten gehört für viele meiner Mitmusiker zum Leben und zu ihrer Persönlichkeit dazu. Immer noch nehme ich Unterricht, mein Waldhorn habe ich gebraucht gekauft, mein Traum ist ein neues Instrument.
Kürzlich feierte ich meinen 26. Geburtstag im Kreise meiner Familie. Ich bereitete Kuchen zu und sorgte für Kaffee auf einem reich gedeckten Tisch in meinem zu Hause. Meine Familie beschenkte mich mit kleineren Gaben für die kleine aber feine Wohnung, worüber ich mich sehr freute. Als jüngere Schwester kümmere ich mich liebevoll um meinen Bruder Nolan und behalte gemeinsame Freunde im Blick. Stehen mal keine zeitraubenden Projekte auf Arbeit mit Deadline oder Orchesterproben an, nehme ich mir die Zeit Bücher in der Bibliothek aussuchen oder in einer ruhigen Ecke im Café sitzend andere Menschen zu beobachten.
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